Kahlschlag mitten im Landschaftsschutzgebiet

Mittwoch, 8. April 2009

Dresdner Morgenpost berichtet über Kettensägen-Massaker zwischen Königstein und Bad Schandau

Von Thomas Fischer
BAD SCHANDAU - Kahlschlag in der Sächsischen Schweiz: Entlang der B 172 zwischen Königstein und Bad Schandau wurde eine riesige Schneise geschlagen. Der Sachsenforst verursachte hier auf einer Länge von 1,5 Kilometern ein Kettensägenmassaker! Damit kein Baum mehr auf die Straße kippt, muss der Wald nun 22 Meter Sicherheitsabstand halten.

Die B 172 - die hässliche Narbe der Sächsischen Schweiz: Oberhalb der Hangstraße wurden Hungerte Bäume gefällt - mitten im Landschaftsschutzgebiet Erst 22 Meter tief im Wald hatten die Kettensägen ein Erbarmen. Urlauber Werner Schneider (58) verwundert: "Soll hier etwa eine Schnellstraße gebaut werden?"

Das Straßenbauamt wiegelt ab, verweist an den Waldbesitzer. Baudirektor Holger Wohsmann (45): "Wir planen hier keinen Straßenbau." Doch auch der Sachsenforst will nichts bauen. Anke Findeisen (36) vom Forstbezirk Neustadt: "Die Bäume wurden aus Sicherheitsgründen gefällt. Denn umstürzende Bäume könnten zu Unfällen führen."

Doch musste es gleich ein Kahlschlag sein? "Einzelne marode Bäume zu fällen wäre zu aufwendig geworden", so Anke Findeisen. "Außerdem können die Revierförster bei umgestürzten Bäumen haftbar gemacht werden, wenn sie ihrer Verkehrssicherungspflicht nicht nach-kommen."

So wurden Hunderte Birken, Robinien und Kiefern zu Feuerholz gemacht. Kosten: 30.000 Euro. Andreas Warschau (44) von den Grünen ist empört: "Das ist ein Frevel! Nur weil es teurer ist, einzelne Bäume zu fällen, kommt der Forst gleich mit der Sense!"

Auch Naturschützer Harald Kubitz (71) vom BUND moniert: "Haftungsinteressen stehen im Vordergrund und die Natur steht wieder hintenan." Das Umweltministerium prüfte die Fällaktion. Sprecher Andreas Kunze (35): "Wir gehen davon aus, dass das seine Richtigkeit hatte."

Sträucher sollen nun das Nachwachsen von Bäumen verhindern. Der Sachsenforst will die Schneise übrigens noch verlängern - um satte 500 Meter!

Quelle: Dresdner Morgenpost, 08. 04. 2009