Motorenlärm nervt die Wanderer
Donnerstag, 23. Juli 2009
Im Osterzgebirge hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die mobil macht gegen Lärm im Grünen. Hintergrund ist die zunehmende Motorisierung in Wäldern. Jetzt im Sommer sind vermehrt Quads anzutreffen. Im Winter sind Motorschlitten unterwegs. Die Bürgerinitiative befürchtet wegen des Herumkurvens eine Zerstörung der Natur und will nach dem Motto „Der nächste Winter kommt bestimmt“ jetzt für die nächste Saison ein Verbot von Motorschlitten in Wäldern erzwingen.
Interessen kollidieren
„Ich selbst hatte so ein Naturerlebnis der unheimlichen Art“, sagt Hagen Hilse aus Dresden, der die Bürgerinitiative mit ins Leben gerufen hat. „Ich war mit Freunden zum Skilaufen zwischen Oberpöbel und Schellerhau. Plötzlich gab es einen ohrenbetäubenden Lärm. Auf einmal kamen mehrere Motorschlitten um die Ecke geprescht.“
Hilse hält solche rasanten Ausflüge mitten durch die Wälder nicht nur für gefährlich, weil ein hohes Kollisionsrisiko bestehe. Er und seine Mitstreiter sehen darin sogar einen Verstoß gegen das Sächsische Naturschutzgesetz, das kein Befahren von Wald und Flur mit Motorschlitten erlaube – es sei denn, man hat eine Genehmigung. Dass die erteilt werden, dafür hat die Bürgerinitiative kein Verständnis. Uns sie hat dabei einen Bündnispartner in der Grünen Liga Osterzgebirge gefunden. Der Umweltverein hat eine Postkartenaktion gestartet. Wer den Protest unterstützt, kann eine E-Mail oder eine Postkarte verschicken. Darin werden Landrat Michael Geisler, die Tourismusgemeinschaft Silbernes Erzgebirge und der Altenberger Bürgermeister Thomas Kirsten aufgefordert, künftig „Motorschlitten-Safaris“ und ähnliche lärmverursachende Vergnügen im Landschaftsschutzgebiet Osterzgebirge zu unterbinden. „Die Strecken sind zu problematisch“, erklärt Hilse. Unter der Störung der Waldesruhe würden Menschen und Tiere leiden. Insbesondere die Flora im Osterzgebirge sei sehr jung und sensibel.
Das sieht der Leiter des Forstbezirkes Bärenfels, Wolfram Gläser, ähnlich. „Es gibt Konflikte“, sagt er. Anders als Pferdekutschen oder Reiter stellten Motorschlitten schon eine erhebliche Belastung im Wald dar. Dennoch hat der Forst Fahrten mit Motorschlitten gestattet – „in begrenztem Umfang“, wie Gläser versichert. „Wir sind da sehr restriktiv und eröffnen nur ganz wenige Möglichkeiten.“ Schließlich sei auch der Forst angehalten, Interessenkonflikte auszugleichen.
Der Platz wird eng
Doch diese scheinen sich zuzuspitzen. „Es ist fraglich, ob man jede Fun-Sportart mitmachen muss“, gibt der Altenberger Bürgermeister Thomas Kirsten (Freie Wähler) zu bedenken. „Wir sind nicht in den kanadischen Wäldern, sondern haben nur begrenzt Platz.“ Skifahrer, Wanderer, Pferde-, Hunde- und Motorschlitten… „Jetzt kommen auch noch die Quads dazu“, sagt Kirsten. „Wir vertragen nicht mehr.“
(Sächsische Zeitung 23. 07. 2009)
Kleine Anfrage MdL Johannes Lichdi (Grüne) zu Motorschlittenfahrten in Sachsen






